Morricone und Köpfchen

Laut und legal - geht das bei Motorrad-Auspuffanlagen?

Fast jeder echte Biker möchte einen guten Sound an seinem Bike, aber die werkseitig angebrachten Anlagen bieten da recht wenig. Und auch die Polizei ist von den "loud pipes save lifes" so gar nicht begeistert.

So bleibt nur der Blick ins Zubehör-Regal. Da gibt es inzwischen aber eine Menge Angebote und man hat die Qual der Wahl. Viele Firmen und auch einige Motorrad-Hersteller bieten Auspuffanlagen mit professionellem Soundmanagement an. Allerdings sollte man dazu erst einmal wissen, wie die Messungen für Motorräder überhaupt ablaufen. Es wird auf einer festgelegten Strecke von 20 Metern, auf welcher die eigentliche Messung stattfindet, insgesamt 4 Mal hin- und hergefahren. Man fährt dabei mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h auf die Strecke zu und beschleunigt dann voll bis zum Ende. Dann wird der Durchschnitt aller Messungen genutzt, davon noch ein Dezibel abgezogen, und schon ist der Richtwert fertig. Entspricht dieser dann der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstgrenze, darf gefahren werden. Einige Motorrad-Hersteller haben sich das System genau angeschaut und ein elektronisches Soundmanagement eingebaut. Dabei hat der Endtopf zwei Schalldämpfer, die über ein Klappensystem angesteuert werden. Einer davon ist mehr oder weniger offen, der andere entspricht absolut der Höchstgrenze und ist gut gedämpft. Bei über 65 km/h öffnet die Klappe und gibt den lauteren der beiden Dämpfer frei, darunter fällt niemandem etwas auf. Da es diese Art des Soundmanagements bei Autos, respektive Sportwagen, bereits schon länger gibt, weiß die Polizei auch, wie sie funktionieren. Eine Manipulation ist daher nicht sinnvoll, zumal sie auch nur wenig Änderung bringt.

Eine andere interessante Möglichkeit bietet eine weitere Anlage eines deutschen Herstellers an. Sie hat ein manuell verstellbares Klappensystem am Endtopf. Stellt man es auf ZU, klingt das Bike absolut regelkonform und man kann sich direkt auf die Feier der örtlichen Polizei begeben, ohne damit anzuecken oder aufzufallen. Offen allerdings sollte man davon Abstand nehmen. Vermeiden sollte man ebenfalls, den Verstellregler direkt am Lenker anzubringen. Dann wird gerne unterstellt man habe den Regler kurz vor dem Anhalten umgestellt und so die Lautstärke bewusst manipuliert. Erlaubt ist die Stellung offen nämlich nur dort, wo die Polizei nichts zu sagen hat. Dazu gehört das eigene Grundstück bzw. Veranstaltungen auf anderen Privatgrundstücken. Wer sich im Straßenverkehr mit offenem Auspuff erwischen lässt, sollte aber lieber nicht versuchen, zu sehr dagegen zu reden, sondern eher den Verstoß zugeben und Reue zeigen. Im Ernstfall liegen die Strafen nämlich immer noch im Ermessen des jeweiligen Beamten. Wer sich reumütig zeigt, kommt meist noch mit einem Bußgeld von 25 Euro davon. Im schlechtesten Fall kann das Bike sogar beschlagnahmt werden. Das Gleiche gilt übrigens auch für Manipulationen an anderen Systemen. Es gab eine Zeitlang noch ein System, bei dem der Sound durch Scheiben reguliert wurde. Die Polizei hat das recht schnell verstanden und zählen gelernt. Wer dann mit weniger als der vorgeschriebenen Scheibenzahl herausgewunken wurde, hatte ein echtes Problem. Die neueren Systeme sind weniger offensichtlich, aber die Polizei kennt sie inzwischen auch ganz gut und neigt dazu, ganz genau hinzuschauen. Trotzdem gibt es mehrere Möglichkeiten, zumindest etwas mehr am Sound schrauben zu können. Einige Auspuffanlagen sind ihren zumeist recht hohen Preis wirklich wert.

10.08.2010